Grüne Zeiten in Münster-Südost


Reaktivierung des WLE-Personennahverkehrs – die Position der Grünen Fraktion in der Bezirksvertretung Münster-Südost by osmunda

Die Grüne Fraktion in der Bezirksvertretung Südost setzt sich sehr kritisch mit dem Thema „Reaktivierung des WLE-Personen-Nahverkehrs“ auseinander und berät sich zusammen mit der grünen Bezirksgruppe sehr intensiv.

Der Rat der Stadt Münster hat 2010 auf Grundlage des damaligen Gutachtens einer Reaktivierung des Personenverkehrs auf der WLE-Trasse Münster – Sendenhorst zugestimmt. Dieses Gutachten geht von Fahrgastzahlen in Höhe von 6200 Personen aus. Alle bisherigen Reaktivierungen in/um Münster haben die vorher prognostizierten Fahrgastzahlen bei weitem übertroffen.

Seit 2010 haben sich die Bedingungen in Münster, aber auch in Sendenhorst, drastisch verändert. Münster ist eine wachsende Stadt. Dies ist besonders im Südosten merklich spürbar. Am Gremmendorfer Weg haben die Bauarbeiten für ein neues Baugebiet bereits begonnen, auf dem ehemaligen Lancier-Gelände in Wolbeck rollen ebenfalls die Bagger. Gremmendorf wird mit der Wohnbebauung auf der ehemaligen York-Kaserne mehrere tausend neue Einwohner bekommen. In Wolbeck, Angelmodde und Gremmendorf sind bereits weitere Baugebiete in der Planung. Der Stadtteil wird wachsen – mehr als alle anderen Stadtteile von Münster. Die gerade veröffentlichten Gutachten gehen davon aus, dass der Südosten einen Einwohnerzuwachs von mehr als 6000 Menschen bis 2025 bekommt.

Der Straßenverkehr hat in den letzten Jahren ebenfalls stark zugenommen. Die Einfallsstraßen in Südost sind die mit dem höchsten Verkehrsaufkommen von ganz Münster. Ein Viertel des Verkehrs läuft durch diese Stadtteile, ca. 30.000 Fahrzeugen täglich. Der Albersloher Weg ist bereits morgens ab 6:30 Uhr so stark frequentiert, dass es zu Staus kommt. Aus diesem Grund ist es nötig auch an andere Wege zu denken und neue Konzepte in Betracht zu ziehen. Unsere bisherige Infrastruktur ist nicht erweiterbar und längst an ihre Grenzen gestoßen.

Die Reaktivierung wird nicht allein auf Grund eines sechs Jahre alten Gutachtens erfolgen. In den ersten Monaten dieses Jahres wird das Ergebnis eines weiteren Gutachtens, mit aktuellen Zahlen und Daten erwartet. Erst dann wird klar sein, ob sich eine Reaktivierung lohnt. Dieses Gutachten müssen wir nun abwarten. Die Entscheidung für oder gegen die WLE wird aber nicht von der Stadt Münster, auch nicht von den Stadtwerken, dem ZVM oder der WLE gefällt. Diese wird alleine vom Land mit eigenen Kriterien gefällt. Keiner der anderen Beteiligten kann auf diese Entscheidung oder Kriterien Einfluss nehmen. Das Land prüft, ob es den Bedarf gibt und wird sich für eine Reaktivierung entscheiden, wenn es landespolitisch sinnvoll ist. Dieser Prozess wird bis Ende 2017 abgeschlossen sein. Das Land hat in diesem Jahr finanzielle Mittel in Höhe von 1,3 Milliarden Euro für den Schienennahverkehr bereitgestellt. Diese Mittel erhöhen sich in den nächsten Jahren auf 2 – 3 Milliarden.

Bisherige Pläne sehen keine Reaktivierung des Bahnverkehres von 0 auf 100 vor. Erste Pläne zeigen, dass es vorerst eine Weiterführung des Zuges aus Warendorf bis Gremmendorf geben soll. Dieser hat derzeit einen längeren Aufenthalt im Bahnhof. Diese Zeit soll genutzt werden, um bis nach Gremmendorf und zurück zu fahren. So können Synergien genutzt werden, es muss kein zusätzlicher Triebwagen gekauft werden, Standzeiten können minimiert werden. Erst in den darauf folgenden Jahren soll die Strecke bis Sendenhorst ausgebaut werden.

Ein moderner „Talent“-Triebwagen verbraucht bei einer Kapazität von bis zu 300 Personen 80 Liter Diesel auf 100 km, ein Bus (max. 110 Personen) 50 l auf 100km und ein Auto (1-5 Personen) 6 – 14 l auf 100 km. Die Frage der Emissionen stellt sich beim Vergleich nicht. Dazu kommen kürzere Strecken, kürzere Fahrtzeiten und der Faktor, dass ein Zug nicht im Stau stehen wird. Die heutigen Dieselfahrzeuge müssen die strengsten Grenzwerte einhalten. Diese sind weit strenger als heutige Diesel-Pkws einhalten müssen. Zudem werden auch die Triebwagen in den nächsten Jahren einen Sprung in der Entwicklung machen. Auf ersten Strecken sollen mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge getestet werden. Diese wurde gerade erst im September auf der InnoTrans vorgestellt und sind somit noch in der Erprobung, nicht im Regelbetrieb. Sollte sich so ein Fahrzeug bewähren, würden wir uns freuen, dieses auf dieser Strecke fahren zu sehen. Eine Reaktivierung bis Sendenhorst wird noch mehrere Jahre dauern. Vielleicht hat sich bis zur Inbetriebnahme auch die Qualität und Quantität eines Antriebwagens mit Brennstoffzellen bewährt. Auch die Lärmemissionen werden sich in Grenzen halten. Hier können sich moderne Triebwagen mit Bussen, die im 20 Minuten Takt durch Wolbeck, Angelmodde und Gremmendorf fahren, durchaus messen lassen.

Gegner der Reaktivierung haben in der Vergangenheit falsche Vergleiche angeführt, besonders bei den Lärmemissionen. Man kann eine Strecke mit max. 60 – 80 km/h nicht mit einer Bahnstrecke mit Personenfernverkehr bei viel höheren Geschwindigkeiten, wie es in Hiltrup der Fall ist, vergleichen. Dies ist irreführend und verbreitet nur falsche Angst. Vorhandene Buslinien werden nicht gestrichen. Dies haben die Stadtwerke in zahlreichen Ortsterminen und in der Presse mehrfach bestätigt.

Wenn der Schienenverkehr jedoch die Menschen so sehr begeistert, dass Buslinien leer nach Münster fahren, wird sich so eine Linie nicht rentierten. Dann muss über Änderungen nachgedacht werden. Sei es, dass die Strecke verändert wird oder es eine andere Taktung geben wird. Bus und Bahn müssen sich ergänzen, nicht miteinander konkurrieren. Es wird kein „entweder – oder“ geben. Dass an der WLE-Trasse nicht über eine Verknüpfung mit dem bestehenden ÖPNV-Angebot und möglicher P+R-Möglichkeiten nachgedacht wird, können wir nicht bestätigen. Zumal wir Grünen sehr stark dafür plädieren innerhalb der Stadt nicht mit dem Auto, sondern mit dem Fahrrad zur Bahnhaltestelle zu fahren. , was bei einem 1 – 2 km Radius sehr gut geht. Ältere Menschen, Menschen, die nicht gut zu Fuß sind oder einfach keine Lust haben zu laufen bzw. mit dem Rad zu fahren nutzen einfach den Zubringerverkehr, den Bus.

Wir weisen zurück, dass Schall- und Erschütterungsschutz von uns Lokalpolitikern nicht aufgegriffen werden. Zurzeit wird diese Strecke von alten, rumpelnden und schweren Güterzügen befahren, die um ein weites lauter sind und das Kiesbett samt Umgebung sehr stark erschüttern. Hier verweisen wir nochmals auf die modernen Triebwagen. Das Kiesbett wird den heutigen Ansprüchen angepasst und erneuert, zumal auch in den vergangenen Jahren die Unterhaltung der Strecke nie eingestellt wurde. Sollte nach den heutigen Bestimmungen Lärmschutz nötig sein, dann wird es ihn geben. Lärmgutachten sind vorhanden und für 6 von 22 km ist passiver Lärmschutz vorgesehen.

Alle Bahnübergänge im Stadtgebiet werden erhalten bleiben und mit Halbschranken ausgestattet. Es könnte möglicherweise beim Haltepunkt in Gremmendorf ein Bahnübergang für Fußgänger weg fallen,da dort der neue Bahnsteig entstehen soll. Im ländlichen Raum werden Bahnübergänge zusammengelegt.

Wir können die Kritik, dass beim Umgang der Reaktivierung die Lokalpolitik intransparent ist, nicht nachvollziehen. Auch in Münster konnten Bürger Einblick in die Vorentwurfsplanung nehmen. Der ZVM hat öffentliche Veranstaltungen abgehalten, bei der jedes Detail erklärt wurde und auch Fragen gestellt werden konnten. Ich selbst war bei mehreren dieser Veranstaltungen dabei. Zudem haben der ZVM und die WLE in einer öffentlichen Sitzung der Bezirksvertretung Südost diese Pläne vorgestellt. Selbst die Gegner der Reaktivierung hatten schon eine öffentliche Veranstaltung, an der sowohl Vertreter aus Politik und Experten teilgenommen haben. Presse und Medien haben ebenfalls das Thema aufgegriffen. Wenn man diese Möglichkeiten nicht nutzt, dann sollte man bitte nicht anschließend Kritik üben an angeblichem Desinteresse der lokalen Politik an Bürgermeinungen. Jeder kann Informationen auf der Internetseite der Stadt Münster erhalten, aber auch auf der Internetseite der Stadt Sendenhorst und der ZVM.

Es gibt auch keine, wie zuletzt bei einer Veranstaltung behauptet wurde, „Hintermänner“ die eine Reaktivierung der WLE gegen die Bürger mit allen Mitteln durchsetzen wollen. Wer sollte daran ein Interesse haben?

Meine Fraktion wird nun erst das neue Gutachten zur Reaktivierung abwarten und sich dann eine abschließende Meinung bilden. Jedoch spricht unseres Erachtens momentan nichts gegen die Reaktivierung. Wir versprechen uns weniger Straßenverkehr, weniger CO2-Ausstoß, weniger Lärm und kürzere Fahrzeiten. Wir werden die Ängste und Befürchtungen der BürgerInnen ernst nehmen und das Gespräch suchen. Wir wissen aber, dass wir nicht jeden von dieser Reaktivierung überzeugen können, besonders wenn man sich den Argumenten pro WLE Strecke verschließt, an altem unbedingt festhalten will und möglichen „Stammtisch – Parolen“ mehr Glauben schenkt als den reinen Tatsachen und Fakten.

Um die Probleme auf unseren Straßen in den Griff zu bekommen, brauchen wir in Südost eine Kombination aus Schienenverkehr, Bus und Velorouten. Der Zug wird die Menschen ansprechen, die eine umweltfreundliche und schnelle Verbindung in die Stadt bevorzugen. Den Bus werden diejenigen bevorzugen, die eine hohe Haltestellendichte und somit kurze Wege zu einer Haltestelle bevorzugen und für die die Fahrzeit nicht im Vordergrund steht; möglicherweise auch als Zubringer zu WLE Bahnhöfen. Die Kombination des Möglichen wird uns entscheidend weiter bringen.

Viele Städte und Gemeinden werben mit einer Zuganbindung um neue Einwohner. Grundstückspreise steigen in Orten mit guter ÖPNV-Anbindung. Auch für einen guten Wirtschaftsstandort sind staufreie Anbindungen an die Vororte oder die umliegenden Städte und Gemeinden wichtig. Gute Mitarbeiter*innen gewinnt man nicht, wenn diese zum Arbeitsplatz eine Stunde im Stau stehen. Unsere zur Verfügung stehenden Flächen für Straßen sind kaum erweiterbar, insbesondere in der Innenstadt nicht; unsere Wohnbebauung gab diese vor. Schon jetzt ist kaum Platz für Fußgänger, Radfahrer und Autos auf einer Straße. Wir müssen nun entscheiden, wie ein Münster der Zukunft aussieht. Gemeinsam mit allen Interessierten und den Betroffenen haben wir die Chance eine WLE nach unseren Bedürfnissen zu prägen. Brauchen wir am Bahnhof Wolbeck weitere Fahrradstellplätze? Lasst uns darüber diskutieren und besprechen wie viele benötigt werden.

Lärmschutz? Gerne! Wo soll er hin? Wie soll er gestaltet werden? Elektrobusse? Ja, sobald es finanzierbar ist und die Technik es hergibt! Wie muss der Busverkehr verändert werden, um einerseits die Menschen weiter zu befördern, die eine Busanbindung brauchen, es aber auch einen guten Zubringerverkehr zu den Bahnhöfen gibt, damit diese besser erreicht werden können?

Für die Grüne Fraktion der Bezirksvertretung Südost
Dirk Wimmer

Abkürzungen:

CO2        Kohlendioxid, entsteht bei der Verbrennung organischen Materials, macht Treibhausklima
ÖPNV    Öffentlicher Personennahverkehr
P+R        Park and Ride – das Auto parken und in den Bus steigen
SPNV     Schienengebundener Personennahverkehr
WLE       Westfälische Landeseisenbahn, Betreiberin und Eigentümerin der Strecke
ZVM       Zweckverband SPNV Münsterland, organisiert den SPNV im Münsterland

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4 Kommentare so far
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Danke zunächst mal für die ausführliche Stellungnahme.
Ein wichtiger Kritikpunkt ist meiner Ansicht nach jedoch nicht berücksichtigt: die Wartezeiten an den Bahnübergängen. Nehmen wir die Kreuzung Heumannsweg/ Albersloher Weg als Beispiel. Aus dem Heumannsweg kommend, gelingt es heute schon nicht, dass während einer Ampelphase mehr als 4 PKW pro Spur kreuzen können, vor allem Rechtsabbieger (Lütkenbecker zum „Marktkauf“, einziges Ladengeschäft in der Nähe). Zur Hauptverkehrszeit sind 4 Ampelphasen Wartezeit das Minimum. Wenn dazu noch die langen Wartezeiten vor der Bahnschranke gerechnet werden, können wir uns sicher ausführlich in Geduld üben, zumal direkt nördlich der Kreuzung eine Haltestelle mit Ausweichstelle zur Zugbegegnung geplant ist. Ich würde gerne vorher sehen, was sich die Planer (der Stadt, in diesem Fall) als Lösung hierfür ausgedacht haben.
Wie bereits gesagt, ist dieser Übergang nur ein Beispiel. Auf der geplanten Strecke gibt es noch reichlich weitere Beispiele.

Mit freundlichen Grüßen,
R. Hage

Kommentar von Reiner Hage

Sehr geehrter Herr Hage,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich sehe keine erhöhten Wartezeiten an Schrankenanlagen. Die heutigen Schließzeiten darf man nicht als Maßstab nehmen, da die heutigen Züge zur Schonung der Infrastruktur nur eine sehr geringe Fahrgeschwindigkeit haben. Nach Auskunft der WLE werden die die Schranken eine Schließzeit von unter 30 Sekunden (Fußgänger- / Radüberweg) bis max. 90 Sekunden (an Übergängen an einem Haltepunkt, gilt nur für eine Richtung), je nachdem welche Straßensituation vorliegt. Dies ist weit weniger als z.B. die Rotphase einer Ampel. Technisch ist es kein Problem diese Schließzeiten der Schranke mit den Rotphasen von Signalanlagen zu kombinieren. Dies 3 – 6 Mal in der Stunde, das sind im Extremfall 4,5 – 6 Minuten. Sie stehen jedoch bis zu 50 Minuten in der Stunde vor einer roten Ampel. Auch die Schranke am Gremmendorfer Weg wird nicht zu Stau führen. In den Stoßzeiten verursacht die Ampel am Albersloher Weg den Rückstau auf dem Gremmendorfer Weg, nicht eine Schranke. Hierbei möchte ich anmerken, dass ich mehrere Jahre Signalanlagen als Techniker installiert habe und die Programmierung und die technischen Abläufe sehr gut kenne.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass reine Ampelschaltungen den Verkehr weitaus mehr ausbremsen. Nicht die Schranken verursachen Stau, eine zu hohe Dichte an Fahrzeugen verursacht einen Stau. Genau dafür, also für eine Entlastung der aktuell stark- erhöhten Verkehrslage soll die WLE reaktiviert werden.

Grüße
Dirk Wimmer

Kommentar von Dirk Wimmer

Lieber Herr Wimmer,

prinzipiell glaube ich, dass eine bessere Ampelschaltung möglich ist. In dem speziellen Fall der Kreuzung Albersloher Weg/ Heumannsweg bin ich ab er eher pessimistisch:
– die vom Bundesverkehrsministerium preisgekrönte Ampelanlage des Albersloher Weges hat eigentlich nie richtig funktioniert. Die Ampel am Martin-Luther-King-Weg z.B. bremst den fließenden Verkehr aus, wenn aus dieser Straße jemand auf den Albersloher Weg einbiegen will. Die Kosten für eine Synchronisation mit den übrigen Ampeln scheinen zu hoch zu sein. Warum sollte man dann davon ausgehen, dass die Synchronisation mit dem Zugverkehr einfacher und besser wird? Wie gesagt, die technische Möglichkeit bestreite ich nicht, die Finanzierungsfreudigkeit schon eher.
– nördlich der Kreuzung zwischen Martin-Luther-King-Weg und Heumannsweg ist ein Haltepunkt vorgesehen. Nach Plan ist dieser zweigleisig, also für einen Ausweich bei Gegenverkehr auf den Schienen ausgelegt. Nach Plan soll die Zug-Frequenz 20 Min. betragen, d.h., dass im Schnitt alle 10 Minuten (= beide Richtungen) ein Zug die Kreuzung passiert. 90 Sekunden in beiden Richtungen – da bleiben 7 Minuten für die eigene Grünphase, die Abbieger-, Gegenverkehr-, und Querverkehr-Phase – und das unter der illusorischen Voraussetzung, dass die Züge tatsächlich die zehn Minuten „einhalten“. Wenn sich am Haltepunkt Züge begegnen, kann sich die Rotphase noch mal deutlich verlängern.
Nach dem Verkehrsgutachten für das neue Einkaufszentrum Stroetmanns am Hansaring sollen ja täglich 4.500 Autos über den Lindberghweg abgeleitet werden. Das wird die Stausituation an der Kreuzung Albersloher Weg/ Heumannsweg sicher nicht verbessern.

Kommentar von R. Hage

Sehr geehrter Herr Hage,
leider gehen Sie von unbewiesenen Annahmen aus. Sie selber sagen, sie „glauben“ dass dies oder jenes passiert. Sie behaupten, zurzeit würde eine vernünftige Ampelschaltung an den Kosten scheitern. Hierfür gibt es keinen Beleg. Dies ist eine reine Vermutung. Ich betrachte lieber die mir bekannten Fakten.

Wie Lichtsignalanlagen geschaltet werden müssen, ist in einem umfangreichen Regelwerk festgelegt (RiLSA). Es müssen Räumzeiten, Schaltphasen u.a. eingehalten werden. Diese Schaltzeiten sind, je größer eine Kreuzung ist, sehr komplex und müssen eine Menge Parameter berücksichtigen. Dies alles in einem Kommentarfeld zu erläutern würde jeden Zeitrahmen sprengen. Eine Kreuzung hat mehrere Programme, die je nach Tageszeit oder Verkehrsbelastung geschaltet werden können. Dies sind feste Programmabläufe, die im Vorfeld programmiert und sehr viele Simulationen bestehen müssen.

Die anderen von Ihnen genannten Signalanlagen haben mit der WLE und der Reaktivierung nichts zu tun. Deren Schaltungen werden nicht vom Schienenverkehr beeinflusst. Die angesprochenen Ampelschaltungen an den Kreuzungen mit Schienenverkehr werden nach einem Umbau mit Schrankenanlagen neu programmiert.

Ihre Zeitrechnung ist nicht ganz korrekt. Eine Schließzeit der Schranke wird während einer vorhandenen Rotphase erfolgen, die es jetzt an der Kreuzung auch schon gibt. Somit werden Rotphasen ausgenutzt. In wie weit so eine Rotphase um einige Sekunden verlängert werden muss, kann ich Ihnen ohne einen Blick in die Steuerung der Anlage zu werfen, nicht genau sagen. Somit fahren drei Zuge mit max. 90 Sekunden geschlossener Schranke, drei Züge fahren mit ca. 50 Sekunden. Somit hätten wir in der Stunde 7 Minuten, in denen die Schranken geschlossen sind, 53 Minuten nicht. Die Schranke wird den Verkehr kaum behindern, besonders da diese Zeiten in den normalen Rotphasen mit einfließen.
Die 90 Sekunden sind der absolute Maximalfall, den eine Schrankenanlage geschlossen sein kann. Ob dies an den Kreuzungen der WLE überhaupt eintritt, kann ich nicht sagen.

Kommen Sie doch einfach bei einer der nächsten Veranstaltungen zur WLE vorbei und fragen die Herren von der ZVM und der WLE direkt. Die sind gerne bereit mit Ihnen die Details zu erläutern. Sicher viel besser als ich es kann.

Um Wartezeiten an Signalanlagen zu verhindern schlage ich Ihnen vor, so oft wie möglich das Angebot der WLE zu nutzen. Sie würden damit nicht nur der Umwelt einen gefallen tuen, ihnen wird es auch jeder Anwohner des Albersloher Wegs und jeder Radfahrer und Fußgänger danken. Ziel soll es sein, den Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, damit es keine Staus mehr gibt. Dies wird nur mit einem Personennahverkehr auf der Schiene klappen. Busse stehen ebenfalls im Stau, sind ein Teil des Staus und können dieses Problem nicht lösen. Wenn es gelingt den normalen Pendlerverkehr zur Arbeit und nach Hause auf die Schiene zu verlagern, werden wir die Straßeninfrastruktur, die in Münster kaum noch zu erweitern ist, entlasten.

Mit freundlichem Gruß
Dirk Wimmer

Kommentar von Dirk Wimmer




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