Grüne Zeiten in Münster-Südost


WLE-Reaktivierung lässt Bürgerinitiative weiterhin durchdrehen! by Reiner Borchert
13. November 2018, 16:58
Filed under: Angelmodde, Gremmendorf, Schienenverkehr, Wolbeck

Anlässlich einer Infoveranstaltung zur WLE, die am 15. November 2018 im Schulzentrum Wolbeck stattfinden soll, ist die sattsam bekannte Bürgerinitiative gegen die Reaktivierung wieder zur Höchstform aufgelaufen und macht mit einem Flyer auf ebendiese Veranstaltung aufmerksam.

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Eine ansprechend gestaltete Werbung für die WLE. Man beachte die kreative Bildbearbeitung.

Wie schon in der Vergangenheit erfindet und verdreht die BI „Fakten“ so, dass sie zu ihrem Ziel passen, nämlich die WLE-Reaktivierung auf jeden Fall zu verhindern. Diese Methode ist zwar derzeit sehr in Mode geraten, disqualifiziert aus unserer Sicht allerdings die BI als ernstzunehmende Diskussionsteilnehmer.

Die im Flyer aufgezählten „Argumente“ entpuppen sich schnell als interessengetriebenes, selektives Aufbauschen und Erfinden von „Nachteilen“:

  • „2 Buslinien werden geopfert“: welche?
  • „Linie 8 (wird) verstümmelt“: Die Linie 8 wird den neuen Möglichkeiten angepasst, wenn die WLE fährt. Es ergeben sich ganz neue Möglichkeiten des Zusammenwirkens von Bus und Bahn, die sich ergänzen und gegenseitig unterstützen. Die Linie 8 wird weiterhin gebraucht!
  • „8 statt 63 Haltestellen, Entfernung … bis 1,5 km“: 8 Haltestellen der Bahn gegen 63 Haltestellen der Linie 8 ? Panikmache!
  • „Mehrfaches Umsteigen zw. Bus u. Bahn erforderlich“: Die Möglichkeiten des ÖPNV werden durch die Bahn zunehmen, und wenn eine Kombination aus Bus und Bahn die beste Verbindung darstellt, steigt man eben um. Das macht man auch jetzt schon, wenn man die Buslinie wechselt. Die Buslinie 8 wird es aber auch weiterhin ermöglichen, ohne Umsteigen von Wolbeck nach Münster zu fahren.
  • „Einsatz von Dieselloks trotz drohenden Fahrverboten“: Die Planungen zur Reaktivierung sind zum Teil schon 10 – 20 Jahre alt. Damals waren Diselloks Stand der Technik bei nicht elektrifizierten Strecken. Inzwischen sind neue Antriebstechniken wie Brennstoffzellen/Wasserstoff oder elektrische Akkus erprobt und einsetzbar. Und die werden zum Einsatz kommen!
  • „Kein Park & Ride Konzept“: nur weil noch kein fertiges Konzept vorliegt, heißt das nicht, dass es keins geben wird. Die Bahn wird frühestens in 5 Jahren fahren.
  • „Mit 80km/h durch die Siedlungen, wo 30km/h gilt“: man könnte meinen, die BI ist neidisch auf die „privilegierte“ Bahn, während ihre Autos „nur“ 30 fahren dürfen. Natürlich fährt die Bahn nicht „durch Siedlungen“, sondern auf ihrer seit Jahrzehnten vorhandenen Trasse. Sowas ist normal und kann z.B. in Mauritz an der Strecke nach Warendorf besichtigt werden!
  • „Sparvariante Schallschutz“: neue technische Entwicklungen führen dazu, dass die Züge künftig leiser fahren als bisher. Statt sich zu freuen, dass hohe Lärmschutzwände nicht erforderlich sind (die sie ja auch nicht wollen), werden die neuen Möglichkeiten als „Sparvariante“ hingestellt.
  • „100 x pro Tag Rückstau an Schranken in Wolbeck und Gremmendorf“: dieser Satz illustriert einmal mehr die Autofahrerbrille der BI! Ziel der Reaktivierung ist die Reduktion des Autoverkehrs, denn unsere Straßen sind schon jetzt regelmäßig verstopft. Und die Staus kommen nicht von zu viel Bahn, sondern zu vielen Autos.  Die Schließzeiten der Schranken sind zu kurz, um von sich aus nennenswerte Staus hervorzurufen. Wenn das doch passiert, ist die Verkehrsbelastung ohnehin schon am „Anschlag“. Darum wollen wir ja die WLE (s.o.).
  • „Und dafür über 40 Millionen Ihrer Steuergelder?“: ja, die Verkehrsinfrastruktur kostet. Im Straßenbau verschwinden deutlich mehr Millionen als im Ausbau des Bahnnetzes. Darüber regt sich die BI nicht auf. Die WLE-Strecke ist bereits vorhanden, muss nur erneuert werden. Es wäre grob fahrlässig, diese günstigen Gegebenheiten nicht zu nutzen, um den in Münster drohenden Verkehrsinfarkt abzuwenden. So billig kommen wir nie wieder an eine neue S-Bahn-Linie!

Unsere Empfehlung: Folgen Sie der „Einladung“ der BI und gehen Sie zur Informationsveranstaltung der WLE! Machen Sie sich selbst ein Bild und prüfen Sie die Aussagen der BI auf Wahrheitsgehalt und Plausibilität!

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6 Kommentare so far
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Die Buslinien R32 und S30 zwischen Sendenhorst uns Münster entfallen, werden also „geopfert“. Schade, dass Sie das als Fake News verunglimpfen, obwohl es lange bekannt und beschlossen ist.

Kommentar von Lars Ostermeyer

Ich finde es schade, dass man auf der Veranstaltung niemanden von den Grünen gesehen hat. Wenn man schon für etwas ist, dann sollte man in der heißen Phase auch Präsenz zeigen und nicht nur Pressemeldungen und solche schon polemischen Flyer-Rezensionen schreiben.

Kommentar von Dirk Müller

Es waren durchaus einige Grüne anwesend, aber wohl nicht als solche erkennbar (sind halt doch nicht grün…). Ich selbst war krankheitsbedingt verhindert.
Und was die Polemik anbelangt, braucht die BI den Vergleich nicht zu scheuen!

Kommentar von Reiner Borchert

Guten Tag Herr Borchert,

mit anderen Worten, Sie bestätigen also, das Sie Ihre Rezension des BI-Flyers polemisch angelegt ist. Was verstehen Sie unter Polemik? Heute wird unter Polemik eine unsachliche, überspitzte Formulierung (Aussage) verstanden, die den Gegner verunglimpft. Polemik ist also unsachliches, überzogenes argumentieren – damit hätte ich aus Ihrer Feder nicht gerechnet.

Ich bin der Auffassung, dass diese Art der Replik nicht angemessen ist – schon gar nicht von einem basisdemokratisch gewähltem grünen Fraktionsvorsitzenden in der Bezirksvertretung.

Sie wissen, dass es In MS-Südost neben Zuspruch auch viel Widerstand gegen die Reaktivierung der WLE gibt. E i n e r der Gründe für m e i n e n Widerstand ist, dass die Linie 8 – entgegen allen Zusagen, die auf diversen Versammlungen von den Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung gemacht wurden – nun doch nicht so beibehalten wird. Die neue vorgesehene Linienführung, neben der neuen Taktung, ist schlichtweg ein Witz.

Ich habe den Eindruck, von Politik und Verwaltung verschaukelt zu werden … die Zahlen scheinen zurechtgebogen zu werden. Die in dem damaligen Gutachten zugrunde gelegten Fahrgastzahlen sind nur durch eine Stilllegung der aktuellen Linie 8 erreichbar, was doch auch so beschrieben wurde (wenn meine Erinnerung mich nicht trügt) und dennoch wurde dies in den vergangenen Versammlungen dementiert und zugesagt, die Linie 8 bleibt erhalten. Und diese Zusage wird nun eingelöst? Stimmt nicht so ganz … die Linie 8 wird zwar namentlich behalten, jedoch (aus Wolbecker Sicht) massiv ausgedünnt, deutlich durch die Führung durch die Loddenheide verlängert und damit unattraktiv.

Wie sagte ein Vertreter der Stadtwerke auf der Infoveranstaltung so treffend: „neben Gewinnern gibt es eben auch immer Verlierer …“ und scheinbar ist der Stadtteil Wolbeck ein Verlierer dieser Maßnahme.

Damit möchte ich mich nicht abfinden.

Kommentar von Werner Tönnishoff

Guten Abend, Herr Tönnishoff!
Ja, ich gebe zu: mein Text ist polemisch, aber das hat seinen Grund. Seit Jahren sehe ich, wie Ihre BI unsere Stadtteile mit sehr populistischen Parolen tapeziert und eigentlich nur eines will: die Bahn verhindern! Das ist für uns eine sehr einseitige, verengte Sicht auf die Probleme, mit denen wir als Stadt zu tun haben und die wir lösen müssen. Und der aktuelle Flyer hat mich von Neuem wütend gemacht.
Aus unserer Sicht ist der massive Ausbau des ÖPNV unverzichtbar; anders können wir den Verkehrsinfarkt nicht abwenden. Natürlich gehört der Ausbau von Bahnlinien dazu, das ist das effektivste Verkehrsmittel, das wir haben. Es wäre unverantwortlich, das nicht zu tun! Und stattdessen die Vorschläge der BI umzusetzen: Schienen raus, Asphalt rein, selbst wenn daraus dann ein Fahrradschnellweg entstehen würde: der ist an der Stelle nicht notwendig, weil parallel zur Bahnstrecke über weite Strecken ein gut ausgebauter Radweg existiert.
Dass Ihnen die Linie 8 am Herzen liegt, kann ich gut nachvollziehen! Es stimmt auch, dass im ersten Anlauf ein Planungsentwurf vorsah, sie ganz einzustellen. Das ist aber ca. 10 Jahre her; inzwischen platzt unsere Stadt aus allen Nähten, auch Wolbeck wächst sehr stark. Das heißt, dass wir es inzwischen mit wesentlich höheren potentiellen Fahrgastzahlen zu tun haben. Das ist zum einen ein weiteres Argument für die Bahn, aber auch eins für den Erhalt der Linie 8! Sie wird ganz einfach dem Bedarf angepasst, wenn die Bahn fährt. Das bedeutet, dass ihre Streckenführung verändert werden muss, weil sie z.B. die Bahn-Haltepunkte anfahren wird. Über die Taktfrequenz entscheidet die Auslastung; wir werden aber nicht auf sie verzichten können. Unterm Strich aber wird das Angebot im ÖPNV auch für Wolbeck vielfältiger.
Und noch eins: bitte bedenken Sie, alle aktuellen Überlegungen sind nicht in Stein gemeißelt! Neue technische Entwicklungen bei der Antriebstechnik beispielsweise zeichnen sich erst seit zwei bis drei Jahren ab, so dass inzwischen klar ist, dass wir keinen Dieselantrieb benötigen werden. Bisher sind übrigens fast alle vorherigen Prognosen bei der Reaktivierung stillgelegter Bahnlinien bei weitem übertroffen worden!
Ich wünschte, ich könnte Ihnen die Angst vor Veränderungen nehmen! Wenn ein Vertreter der Stadtwerke sagt, dass es „neben Gewinnern auch immer Verlierer gibt“, dann ist das eine banale Feststellung, die immer zutrifft, sowohl bei Veränderungen wie auch bei Stillstand. Die Politik muss immer eine Abwägung treffen, die sich am Gemeinwohl orientiert, auch wenn hinterher nicht alle ganz zufrieden sind. Das ist nicht immer einfach, das können Sie mir glauben!
mit besten Grüßen
Reiner Borchert

Kommentar von Reiner Borchert

Lieber Herr Müller, ich kann bestätigen, dass mehrere Grüne anwesend waren bei der WLE-Veranstaltung im Pädagogischen Zentrum. Ich selbst war mit dabei.
Wir haben gemeinsam die Stellwände der WLE studiert, um uns auf den neuesten Stand der Planung zu bringen und Gespräche mit den anwesenden WLE-Mitarbeitern geführt, die die Grafiken und Ausführungen dazu erläutert haben.
Ich war sehr erfreut, schon eine Vorschau auf den neuen Bahnhof Wolbeck ergattern zu können. Ich bin gebürtige Wolbeckerin und weiß, dass mein Vater, als ich noch sehr klein war, täglich mit der WLE zur Arbeit gefahren ist. Als ich nach einer langen Zeit des Lebens anderswo nach Wolbeck zurückgekehrt bin, musste ich feststellen, dass diese komfortable Anbindung des Stadtteils leider nicht mehr Stand der Dinge war.
In den letzten Jahren wurde hier im Südosten unendlich viel Geld für PKW-Verkehr ausgegeben. Erst für die Umgehungsstraße, mit ihrem ausufernden Flächenfraß in Landschaft und Landwirtschaft. Und nun seit ca. 2 Jahren für den Kreisel am Markt, dem inzwischen quasi durchgehend jede vernünftig erreichbare Anbindung der 8 an Wolbeck zum Opfer gefallen ist. Der Zustand des ÖPNV für Wolbeck lässt wirklich zu wünschen übrig. Alles dreht sich nur um PKW-Verkehr.
Die Wolbecker sind zurecht seit langem genervt von dieser Situation. Es wird Zeit, dass nun einmal die Nutzer des öffentichen Nahverkehrs im wahrsten Sinne zum Zuge kommen! Ich hoffe sehr, dass in Zeiten von Klimawandel und der Entwicklung intelligenter Verkehrsnetze zunehmend Bürger*innen auch in Wolbeck vom PKW auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen, zumal wenn ihnen gute und immer bessere Angebote gemacht werden! Je mehr mitmachen, desto wirtschaftlicher können Bahn und Bus betrieben und umso besser Bahn UND Bus getaktet und ausgebaut werden. Je mehr Bürger*innen mitmachen, desto mehr können wir auch wieder zunehmende Lebensqualität auf den Straßen von Wolbeck genießen: ohne Stop and Go in der Münsterstraße und Hiltruper Straße, ohne permanente Staus in den Pendelzeiten trotz Umgehungsstraße – und unser Ort kann wieder attraktiv werden durch Aufenthaltsqualität, auch für Läden, Restaurants, Cafés. Wolbecks Charme ist dem ausufernden, rücksichtslosen Individualverkehr weitgehend zum Opfer gefallen, aber das muss nicht so bleiben! Neue intelligente Verkehrsentwicklung mit Bus, Bahn und Radwegen kann technisch im 21. Jahrhundert besser als je zuvor verwirklicht werden und muss es auch! Ich freue mich, dass Münster das jetzt endlich anpackt und ich bin zuversichtlich, dass der Trend weg vom Auto, hin zur bequemen und flexiblen Verkehrsanbindung für alle immer mehr zunimmt und deshalb auch immer besser umgesetzt werden kann! Es ist Zeit, die Zukunft jetzt zu bauen! Machen Sie doch einfach mit, – je mehr dabei sind, desto besser wird es! Nutzen Sie die Chance und springen Sie mit auf auf diesen Zug!

Kommentar von daphne wu




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