Grüne Zeiten in Münster-Südost


Drei neue Baugebiete im Schnellverfahren – Umweltverträglichkeit egal! by Reiner Borchert
18. November 2019, 00:09
Filed under: Allgemein

In der Sitzung der Bezirksvertretung (BV) Südost am 12.11. gab es eine Vorlage der Verwaltung, in der auf die Schnelle drei neue Bebauungspläne für Baugebiete auf den Weg gebracht werden sollten. Alle drei Flächen haben eine Größe von jeweils ca. 1 Hektar und sollen nach dem beschleunigten Verfahren nach §13b Baugesetzbuch durchgezogen werden. Das Verfahren läuft zum Ende des Jahres aus – daher die Eile.

In der Vorlage V/1000/2019 werden folgende Flächen aufgeführt:

  • ein Acker an der Ecke Angelsachsenweg/Frankenweg, am Rand zum Waldgebiet „Große Lodden“ und im Landschaftsschutzgebiet gelegen (BPlan 606)
  • eine Pferdeweide nördlich der Homannstraße (BPlan 607)
  • eine Ackerfläche am südwestlichen Ortsrand von Wolbeck an der Hiltruper Straße (BPlan 608). Nebenan sollen eine Tankstelle und ein Baumarkt entstehen.

Die BV hat die Vorlage mit der Mehrheit von CDU und FDP abgenickt.

Die Grüne Fraktion hat versucht, durch einen Änderungsantrag die Vorlage umweltverträglicher zu machen – leider erfolglos. Wir wollten die Fläche am Angelsachsenweg ganz streichen und für die beiden anderen Flächen das „normale“ Verfahren für Bebauungspläne durchsetzen.

AngelsachsenwegEckeFrankenweg

Sonnenaufgang über BPlan 606

Warum sind wir gegen diese Bebauungspläne? Natürlich sehen wir die Notwendigkeit, die bestehende Wohnungsnot zu mindern. Aber:

  • Grundsätzlich bedeutet die Beschleunigung des Verfahrens u.a. eine Verminderung der Umweltverträglichkeitsprüfung (es wird nur oberflächlich geprüft, sensible Biotopstrukturen werden möglicherweise nicht erkannt). Außerdem müssen solche Vorhaben nicht durch Ausgleichsmaßnahmen kompensiert werden.
  • Das Baugebiet am Angelsachsenweg liegt in einem Landschaftsschutzgebiet und gehört zum 2. Grüngürtel der Stadt. Dieser Grüngürtel erüllt wichtige Funktionen für das Stadtklima und den Klimaschutz allgemein. Es liegt am Rande sensibler Biotope (Streuobstwiesen und Wald). Deshalb wollen wir die Bebauung dieses Gebietes verhindern.

Zudem meinen wir, dass der Bezirk Südost ohnehin schon reichlich mit neuen Baugebieten gesegnet ist (z.B. Wobeck-Nord, Petersheide, Hiltruper Straße/Ecke Albersloher Weg). Außerdem wird besonders die Einwohnerzahl Gremmendorfs in den nächsten Jahren durch die Konversion der York-Kaserne um ca. 50 Prozent steigen – hier sind ca. 1800 Wohneinheiten vorgesehen. Wir müssen uns nicht vorwerfen lassen, zu wenig gegen die Wohnungsnot zu tun. Wenn wir aber nicht aufpassen, verliert die Stadt immer mehr von dem, was sie einst zur „lebenswertesten Stadt“ machte…

Um unseren Unmut über das geplante Vorhaben öffentlich zu machen, haben wir folgende Presseerklärung herausgegeben:

Die Grünen in der BV Südost sind bestürzt über das kurzsichtige Verhalten der CDU und der FDP in Südost, welche sich bei der Sitzung der Bezirksvertretung am 12.11.2019 gegen einen Schutz der Grünordnung und der nachhaltigen Entwicklung von Wohnbauland versperrten. Zu den Plänen der Verwaltung, drei kleinere Baugebiete im beschleunigten Verfahren nach § 13b BauGB zu entwickeln, hatten die Grünen Änderungsanträge gestellt. Diese hatten zum Ziel, ein Baugebiet am Angelsachsenweg, welches sich im 2. Grünring der Stadt Münster und in einem Landschaftsschutzgebiet befindet, aus der Liste zu streichen und die anderen nach dem Standard-Verfahren zu entwickeln. Dem Klima- und Landschaftsschutz solle ein höherer Stellenwert eingeräumt werden als dem beschränkten Nutzen eines kleinen Wohngebietes.
„Durch die Umnutzung der ehemaligen York-Kaserne wird in nächster Zeit so viel Wohnraum geschaffen, dass die Bevölkerung Gremmendorfs um ca. 5000 Personen wachsen wird. Für alle alten und neuen Bewohner*innen brauchen wir unverbauten Naturraum und die Frischluftschneise für Erholung und Klima.“, gibt der Fraktionssprecher Reiner Borchert zu bedenken. Zudem beinhaltet das beschleunigte Bauleitverfahren nur eine stark reduzierte Umweltprüfung und einen Verzicht auf Ausgleichsflächen.
„Dieses Vorgehen ist nicht nachhaltig, sondern schädlich für Natur-, Klima- und Artenschutz. Wer Baulandentwicklung über alles stellt, nimmt weder den Artenschwund noch die zahlreichen Klima-Proteste nicht ernst.“, meint Bezirksvertreterin und Landschaftsökologin Anja Tepe. Ein Abstimmungsverhalten wie es sich zuletzt in der BV Südost zeigte, lasse befürchten, dass es mit der CDU und der FDP keinen Wandel geben werde.

 


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