Grüne Zeiten in Münster-Südost


Bürgerinitiative entdeckt den Klimaschutz by Reiner Borchert
28. April 2019, 17:44
Filed under: Schienenverkehr
BI für Klimaschutz
„Wahlplakat“ am Brandhoveweg

Der Kampf um die WLE-Reaktivierung nimmt eine neue Wendung: die Bürgerinitiative hat entdeckt, dass Dieselloks CO2 produzieren!

Den Anwohnern der Bahnstrecke (aus denen die BI im Wesentlichen besteht) kann man da nur zustimmen. Deshalb wird auch voraussichtlich keine Dieseltechnik zu Einsatz kommen.

Die „altbewährte Dieseltechnologie“ war bis vor kurzem Stand der Technik, und Diesel wurde für umweltfreundlich gehalten. Inzwischen ist hoffentlich allen klar geworden, dass jeder Antrieb, der auf der Verbrennung fossiler Stoffe beruht, den Klimawandel anheizt (und nebenbei Feinstaub u.a. freisetzt).

Die Idee, die WLE-Strecke für den Personenverkehr zu reaktivieren, ist allerdings viel älter als diese Erkenntnis. Deshalb ist in vielen Unterlagen noch von Dieselantrieb die Rede – es gab einfach nichts besseres, wenn die Strecke nicht elektrifiziert ist.

Inzwischen tut sich aber sehr viel: neue Antriebstechniken sind in der Erprobung oder schon serienreif (z.B. Brennstoffzellen, Elektroantrieb mit Akkus). Bis die ersten WLE-Züge fahren, sind wir da sicher noch einige Schritte weiter. Nicht nur wir als GRÜNE, auch der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) will dann unbedingt die neueste und umweltfreundlichste Technik einsetzten.

Die Bürgerinitiative meint mit dem Thema „Klimaschutz“ ein Argument gegen die Bahn gefunden zu haben. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich diese Kampagne als Eigentor: selbst mit Dieseltechnik wird mehr CO2 durch den Bahnverkehr eingespart als erzeugt, denn die Bahn ersetzt viele Fahrten mit dem Pkw, der ja auch nicht dafür bekannt ist, Frischluft zu produzieren. Unterm Strich ist die Reaktivierung der Bahn ein echter Gewinn fürs Klima, und nicht nur dafür: Münster droht sonst im Dauerstau zu versinken!



Leserbrief zur WLE-Diskussion by Reiner Borchert
17. Januar 2019, 00:46
Filed under: Schienenverkehr, Verkehrspolitik

Etwas Sachlichkeit tut dem Thema gut. Fakt ist, dass die WLE Dieselloks nur vor Güterzügen einsetzt. Für Personenverkehr sind Triebwagen , d.h. Fahrzeuge mit eigenem Antrieb, geplant. Welcher Antrieb das sein wird, hängt von der Entwicklung der dt. Schienenfahrzeugindustrie ab. Unstrittig ist aber, dass die Klimabilanz eines Triebwagens für ca. 220 Personen mit aktuellem Antriebsformen oder alternativen, wesentlich besser ist der heutige Bus und alternativ der Individualverkehr. Kritiker sollten sich einmal die Verkehrsprognose des Amtes für Stadtplanung für das Jahr 2025 für den Bereich Wolbeck , Angelmodde besorgen. Hier ist eine Zunahme im Bereich Berler Kamp/ Am Angelkamp von 40 % prognostiziert. Wer gegen 4 Zugfahrten in der Stunde hinter seinem Gartenzaun ist, nimmt mehrere hundert PKW-Fahrten vor seinem Küchenfenster in Kauf.
Die Schaffung von Verkehrsinfrastruktur ist die originäre Aufgabe des Staates, dafür zahlen wir Steuern. Dabei ist es egal, ob es sich um Straßen, Wasserstraßen oder Schienenwege handelt. Somit ist die Investition keine Steuerverschwendung, sondern eine von vielen Investitionen des Bundes in den öffentlichen Personennahverkehr.Die Forderung nach einem Bürgerentscheid ist unbegründet, da unsere Demokratie mit gewählten Volksvertretern funktioniert und, bis auf eine Partei, alle Parteien diese Reaktivierung anstreben. Dieses war den jeweiligen Parteiprogrammen der letzten 3 Kommunalwahlen zu entnehmen. Die WLE als Eigentümerin der Trasse hat im November, zusammen mit Vertretern der Stadtwerke, der Stadt Münster und der RVM beim Bürgerinformationsmarkt umfassend informiert. Sogar Andersdenkenden gab man Raum zur Präsentation, mehr Transparenz geht nicht. Eine Demokratie lebt von der Konsensfindung, diese scheint mir aber bei den Meinungsgegnern nicht im Ansatz ausgeprägt zu sein, man macht lieber mit wenig stichhaltigen Argumenten und Ideen weiterhin Stimmung dagegen.Schade eigentlich, denn von Entscheidungen zugunsten des Allgemeinwohls profitiert nun mal die große Mehrheit in unserem Lande.

Matthias Forthaus, Wolbeck

Dieser Leserbrief erschien in gekürzter Fassung Anfang des Jahres in WN und MZ. Herr Forthaus hat ihn uns in der Komplett-Version als Gastbeitrag zur Verfügung gestellt.
Vielen Dank!



Presseerklärung zur WLE-Reaktivierung by Reiner Borchert
25. November 2018, 15:30
Filed under: Angelmodde, Gremmendorf, Schienenverkehr, Wolbeck

Am Donnerstag den 22.11.2018 haben die „Westfälischen Nachrichten“ in der Lokalausgabe Wolbeck/Angelmodde unsere Presseerkärung veröffentlicht:

Die Zeitungsredaktion hat allerdings etwas unsauber formuliert: der „Vorwurf  an die GAL“ im vorletzten Satz geht natürlich an die BI, nicht an uns selbst. Der Satz muss heißen „(…) so der Vorwurf der GAL“. Hätten wir fast übersehen…



WLE-Reaktivierung lässt Bürgerinitiative weiterhin durchdrehen! by Reiner Borchert
13. November 2018, 16:58
Filed under: Angelmodde, Gremmendorf, Schienenverkehr, Wolbeck

Anlässlich einer Infoveranstaltung zur WLE, die am 15. November 2018 im Schulzentrum Wolbeck stattfinden soll, ist die sattsam bekannte Bürgerinitiative gegen die Reaktivierung wieder zur Höchstform aufgelaufen und macht mit einem Flyer auf ebendiese Veranstaltung aufmerksam.

dav

Eine ansprechend gestaltete Werbung für die WLE. Man beachte die kreative Bildbearbeitung.

Wie schon in der Vergangenheit erfindet und verdreht die BI „Fakten“ so, dass sie zu ihrem Ziel passen, nämlich die WLE-Reaktivierung auf jeden Fall zu verhindern. Diese Methode ist zwar derzeit sehr in Mode geraten, disqualifiziert aus unserer Sicht allerdings die BI als ernstzunehmende Diskussionsteilnehmer.

Die im Flyer aufgezählten „Argumente“ entpuppen sich schnell als interessengetriebenes, selektives Aufbauschen und Erfinden von „Nachteilen“:

  • „2 Buslinien werden geopfert“: welche?
  • „Linie 8 (wird) verstümmelt“: Die Linie 8 wird den neuen Möglichkeiten angepasst, wenn die WLE fährt. Es ergeben sich ganz neue Möglichkeiten des Zusammenwirkens von Bus und Bahn, die sich ergänzen und gegenseitig unterstützen. Die Linie 8 wird weiterhin gebraucht!
  • „8 statt 63 Haltestellen, Entfernung … bis 1,5 km“: 8 Haltestellen der Bahn gegen 63 Haltestellen der Linie 8 ? Panikmache!
  • „Mehrfaches Umsteigen zw. Bus u. Bahn erforderlich“: Die Möglichkeiten des ÖPNV werden durch die Bahn zunehmen, und wenn eine Kombination aus Bus und Bahn die beste Verbindung darstellt, steigt man eben um. Das macht man auch jetzt schon, wenn man die Buslinie wechselt. Die Buslinie 8 wird es aber auch weiterhin ermöglichen, ohne Umsteigen von Wolbeck nach Münster zu fahren.
  • „Einsatz von Dieselloks trotz drohenden Fahrverboten“: Die Planungen zur Reaktivierung sind zum Teil schon 10 – 20 Jahre alt. Damals waren Diselloks Stand der Technik bei nicht elektrifizierten Strecken. Inzwischen sind neue Antriebstechniken wie Brennstoffzellen/Wasserstoff oder elektrische Akkus erprobt und einsetzbar. Und die werden zum Einsatz kommen!
  • „Kein Park & Ride Konzept“: nur weil noch kein fertiges Konzept vorliegt, heißt das nicht, dass es keins geben wird. Die Bahn wird frühestens in 5 Jahren fahren.
  • „Mit 80km/h durch die Siedlungen, wo 30km/h gilt“: man könnte meinen, die BI ist neidisch auf die „privilegierte“ Bahn, während ihre Autos „nur“ 30 fahren dürfen. Natürlich fährt die Bahn nicht „durch Siedlungen“, sondern auf ihrer seit Jahrzehnten vorhandenen Trasse. Sowas ist normal und kann z.B. in Mauritz an der Strecke nach Warendorf besichtigt werden!
  • „Sparvariante Schallschutz“: neue technische Entwicklungen führen dazu, dass die Züge künftig leiser fahren als bisher. Statt sich zu freuen, dass hohe Lärmschutzwände nicht erforderlich sind (die sie ja auch nicht wollen), werden die neuen Möglichkeiten als „Sparvariante“ hingestellt.
  • „100 x pro Tag Rückstau an Schranken in Wolbeck und Gremmendorf“: dieser Satz illustriert einmal mehr die Autofahrerbrille der BI! Ziel der Reaktivierung ist die Reduktion des Autoverkehrs, denn unsere Straßen sind schon jetzt regelmäßig verstopft. Und die Staus kommen nicht von zu viel Bahn, sondern zu vielen Autos.  Die Schließzeiten der Schranken sind zu kurz, um von sich aus nennenswerte Staus hervorzurufen. Wenn das doch passiert, ist die Verkehrsbelastung ohnehin schon am „Anschlag“. Darum wollen wir ja die WLE (s.o.).
  • „Und dafür über 40 Millionen Ihrer Steuergelder?“: ja, die Verkehrsinfrastruktur kostet. Im Straßenbau verschwinden deutlich mehr Millionen als im Ausbau des Bahnnetzes. Darüber regt sich die BI nicht auf. Die WLE-Strecke ist bereits vorhanden, muss nur erneuert werden. Es wäre grob fahrlässig, diese günstigen Gegebenheiten nicht zu nutzen, um den in Münster drohenden Verkehrsinfarkt abzuwenden. So billig kommen wir nie wieder an eine neue S-Bahn-Linie!

Unsere Empfehlung: Folgen Sie der „Einladung“ der BI und gehen Sie zur Informationsveranstaltung der WLE! Machen Sie sich selbst ein Bild und prüfen Sie die Aussagen der BI auf Wahrheitsgehalt und Plausibilität!



Reaktivierung des WLE-Personennahverkehrs – die Position der Grünen Fraktion in der Bezirksvertretung Münster-Südost by Reiner Borchert

Die Grüne Fraktion in der Bezirksvertretung Südost setzt sich sehr kritisch mit dem Thema „Reaktivierung des WLE-Personen-Nahverkehrs“ auseinander und berät sich zusammen mit der grünen Bezirksgruppe sehr intensiv.

Der Rat der Stadt Münster hat 2010 auf Grundlage des damaligen Gutachtens einer Reaktivierung des Personenverkehrs auf der WLE-Trasse Münster – Sendenhorst zugestimmt. Dieses Gutachten geht von Fahrgastzahlen in Höhe von 6200 Personen aus. Alle bisherigen Reaktivierungen in/um Münster haben die vorher prognostizierten Fahrgastzahlen bei weitem übertroffen. Weiterlesen



Die Reaktivierung der Westf. Landeseisenbahn (WLE) von Münster Hbf bis Sendenhorst by Reiner Borchert
11. Februar 2017, 21:48
Filed under: Angelmodde, Gremmendorf, Schienenverkehr, Wolbeck

Die Stilllegung der Personenbeförderung auf der von der Westf. Landeseisenbahn (WLE) betriebenen Bahnstrecke von Münster nach Neubeckum Mitte der Siebzigerjahre entsprach zwar dem damaligen Zeitgeist, hat sich aber inzwischen als Fehler herausgestellt. Jetzt – 40 Jahre später – stellen wir fest, dass Straßen wie der Albersloher Weg nicht für die Pendlerströme aus dem Umland ausgelegt sind. Dazu kommt natürlich auch, dass der ausufernde „Motorisierte Individualverkehr“ (= Pkw-Ströme) sich zu einer immensen Umweltbelastung ausgewachsen haben (Lärm, Abgase, Feinstaub).

Um diesen Belastungen für unser Straßennetzes und die betroffene Bevölkerung zu begegnen, befürworten und fordern wir als Grüne im Südosten Münsters schon seit den Neunzigerjahren eine Wiederaufnahme des Personenzugverkehrs. Die WLE hat zum Glück den Güterverkehr nie ganz eingestellt, so dass die Gleise mehr oder weniger untakt geblieben sind.

Der Pängelanton in Gremmendorf

Der Pängelanton wird garantiert nicht wieder in Betrieb genommen.

Inzwischen ist die Reaktivierung des Personenverkehrs unter den Ratsparteien (mit einer Ausnahme) Konsens geworden, und die Zeichen stehen günstig, dass in einigen Jahren wieder Personen zwischen Sendenhorst und Münster transportiert werden.

Leider trifft diese Entwicklung nicht auf ungeteilte Zustimmung. Die Anwohner der Trasse befürchten verständlicherweise eine Beeinträchtigung ihrer Gartenruhe. Die von ihnen gegründete Bürgerinitiative macht seit einiger Zeit massiv Stimmung gegen die Reaktivierung der WLE-Strecke und scheut dabei nicht vor gezielten und fortwährenden Falschinformationen zurück, die sie u.a durch breitwandige Spruchbänder an prominenten Stellen verbreitet. Sie behauptet u.a.,

  1. dass die Buslinie 8 nach Wolbeck ersatzlos gestrichen werden soll, „um den Zug voll zu kriegen“,
  2. dass ca. jeder zweite Bahnübergang für Fußgänger geschlossen werden soll,
  3. dass vor geschlossenen Schranken lange Pkw-Staus zu erwarten sind,
  4. dass am Lärmschutz gespart werden soll,
  5. dass das Ganze sowieso viel zu teuer wird,
  6. usw. usf.

Sicher sind nicht alle Behauptungen völlig aus der Luft gegriffen; für ausreichenden Lärmschutz beispielsweise muss natürlich gesorgt werden. Was wir der Bürgerinitiative aber vorwerfen, ist das Schüren und die Instrumentalisierung von Ängsten, beispielsweise die angebliche „Stilllegung“ der Linie 8 betreffend. Um diesen Falschmeldungen zu begenen, gehen wir im folgenden Beitrag etwas mehr ins Detail.

Reiner Borchert



WLE-Reaktivierung: eine Stadtbahn für Münster! by Reiner Borchert

Der im vorherigen Artikel abgedruckte Ratsantrag zielt genau in diese Richtung: die WLE-Strecke von Münster-Hbf über Wolbeck und Sendenhorst nach Neubeckum führende Trasse könnte der erste Baustein für die Installation einer Stadtbahn in Münster sein.  In dieses Konzept können und sollen mittel- bis langfristig weitere Strecken eingebunden werden.

Ein Mitbürger aus Gremmendorf, Herr Stephan Nauss, hat sich die Mühe gemacht, alle verfügbaren Daten und Informationen zu einer sehr gelungenen Homepage www.stadtbahnmuenster.info zusammenzutragen. Vielen Dank dafür, Herr Nauss! Wir weisen gern auf Ihre Seiten hin und begrüßen Ihr Engagement außerordentlich!