Grüne Zeiten in Münster-Südost


Grüne Südost für Ladestationen für Emobilität auf dem Wolbecker Marktplatz by Dirk Wimmer

Elektromotoren werden in Zukunft die Verbrennungsmotoren immer mehr verdrängen. Jedoch ist es nicht damit getan, sich die nötigen Fahrzeuge zu kaufen, es benötigt auch eine flächendeckende Infrastruktur für Ladestationen. Dies hat auch der Bund erkannt und ein Förderprogramm für diese ins Leben gerufen.

Die Grüne Fraktion in Münster Südost hat nun zwei Anträge in die Sitzung der Bezierksvertretung am 14.03.2017 eingebracht. Sie möchte die Verwaltung dazu auffordern zu prüfen, ob jeweils zwei Ladestationen für Elektroautos und E-Bikes auf dem Marktplatz in Wolbeck installiert werden können.

„In den nächsten Monaten wird es umfangreiche Tiefbaumaßnahmen um und auf dem Marktplatz geben. Viele der Versorgungsleitungen müssen für den Umbau der Kreuzung Am Berler Kamp / Hiltruper Straße und der Hiltruper Straße bis zum Steintor verlegt werden. Dies sollte genutzt werden auch für die Ladestationen die nötigen Versorgungsleitungen zu legen. Somit sind hierfür keine zusätzlichen Tiefbauarbeiten nötig“ ist sich Dirk Wimmer von den GRÜNEN sicher.

Die Anträge hat die Bezirksvertretung am 14.03.2017 einstimmig angenommen. Nun muss auf die Antwort der Verwaltung gewartet werden.

Für die Grüne Fraktion Münster Südost
Dirk Wimmer

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Lindberghweg / Lütkenbecker Weg: Fahrradstraße jetzt! by osmunda

Lindberghweg und Lütkenbecker Weg als Fahrradstraße – das liegt irgendwie in der Luft! Nicht nur die Grüne Fraktion in der Bezirksvertretung Südost, auch eine Initiative von Anwohnern des Lindberghwegs haben das beantragt. Und nun hat auch die Ortsgemeinschaft Lütkenbeck selbiges einstimmig beschlossen und bei der Stadt Münster eingereicht. Wir alle meinen, dass der jetzige Zustand (die Kanalbrücke Schillerstraße ist abgerissen und wird neu gebaut; der Kfz-Verkehr ist also an der Stelle unterbrochen) genutzt werden sollte, um die de-facto-Fahrradstraße dauerhaft in eine echte umzuwandeln.

Leider stößt der Volkswille bei der Verwaltung nicht auf ungeteilte Gegenliebe. Bisher wurden alle Anträge mit dem Argument, man müsse zunächst den Neubau der Kanalbrücke Schillerstraße abwarten, dann eine Verkehrszählung durchführen und anschließend beraten, was geschehen soll. Für solch ein Prozedere gehen locker zwei bis drei Jahre ins Land, und der Ausgang ist ungewiss.

Der Grund für dieses Verhalten liegt darin begründet, dass die Stadtverwaltung die neue Brücke und den Lütkenbecker Weg ebenso wie die Schillerstraße fest in ihr Verkehrskonzept für den Hafen und das Hansaviertel eingeplant hat, als Entlastung des Hansarings quasi. Das Hafenviertel wird in den kommenden Jahren massive Änderungen erfahren; Abriss der Osmo-Hallen, Neubauten und ein monströses Einkaufszentrum sind nur ein Teil davon. Damit die dadurch entstehenden bzw. zu erwartenden Verkehrsströme verkraftet werden können, ist die Theodor-Scheiwe-Straße als Bypass auserkoren worden. Dummerweise wurde die Privatstraße vor etlichen Monaten vom Eigentümer gesperrt. Aber man arbeitet da sicher an einer Lösung…

Auftakt zur Unterschriftensammlung am 22. Juli, Kundgebung auf dem Lindberghweg

Auftakt zur Unterschriftensammlung am 22. Juli, Kundgebung auf dem Lindberghweg

Vor diesem Hintergrund wollten Initiatoren des Bürgerantrags nicht ruhig bleiben und abwarten, sondern den Bürgerwillen lautstark bekräftigen. Zu diesem Zweck wurde Ende Juli eine Unterschriftensammlung initiiert, die bis Anfang September laufen soll. Höhepunkt wird ein Straßenfest auf dem Lindberghweg am Samstag den 3. September sein. Anschließend werden die gesammelten Unterschriften „feierlich“ der Stadt übergeben.

Hier der Text der Unterschriftenliste:

Sicher, schnell und umweltfreundlich zur Arbeit, zur Schule und zum Einkauf

Aktionsplan „Fahrradstraße Lindberghweg“ – Achse Münster-Hauptbahnhof – Gremmendorf

Im September 2015 haben Bürgerinnen und Bürger aus Lütkenbeck eine Anregung gem. § 24 Gemeindeordnung für das Land NRW an die Stadt Münster gerichtet. Es geht um die Umwidmung
des Lindberghweges in eine Fahrradstraße. Die Veränderung wird einen Beitrag dazu leisten, den
Fahrradverkehr zwischen Gremmendorf und Münster-Innenstadt deutlich sicherer zu machen.
Autoverkehr ist auf einer Fahrradstraße weiterhin erlaubt, allerdings haben Fahrräder auf einer
solchen Straße klar Vorrang. Die Einrichtung einer Fahrradstraße wird zu einer erheblichen
Attraktivitätssteigerung des umweltfreundlichen Fahrradverkehrs führen. Deshalb unterstützt auch
der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Münster (ADFC) dieses Vorhaben. Weiterhin stehen die
Ortsgemeinschaft Lütkenbeck sowie die Grüne Fraktion in der Bezirksvertretung Südost zu unserem
Projekt. Die gesamte Bezirksvertretung Süd-Ost hat auch bereits zugestimmt!

Leider hat sich bisher die Verwaltung der Stadt Münster jedoch nicht eindeutig in dieser Sache
positioniert. Vielmehr soll erst die Fertigstellung der neuen Schillerstraßenbrücke abgewartet werden
und sich dann eine Verkehrszählung anschließen. Dies ist der falsche Weg, weil durch den Neubau
der Schillerstraßenbrücke bereits jetzt der Lindberghweg in der Hauptsache als Fahrradstraße
genutzt wird! Es ist jetzt die Zeit gekommen, aktiv zu werden und gemeinsam für eine Umwidmung
des Lindberghweges einzutreten.

Laden Sie hier die Unterschriftenliste Fahrradstraße herunter und sammeln Sie bis zum 3. September im Freundes- und Bekanntenkreis Unterstützung für unser Ansinnen, damit ein sinnvolles Anliegen endlich Gehör findet!



Mehr Fahrradstraßen braucht die Stadt! by osmunda
10. März 2016, 21:48
Filed under: Bezirksvertretung Münster-Südost, Radwege, Straßenverkehr

Münster wächst – und damit wächst auch der Verkehr auf den Straßen. Mehr individueller Kfz-Verkehr kann aber nicht die Lösung sein; die Straßen sind eh schon voll, und verbreitern kann man sie auch nicht beliebig. Außerdem ist Autofahren zum Glück inzwischen für die junge Generation eher uncool (weil es vom Smartphone ablenkt?), so dass inzwischen nicht nur wir Grüne und der ADFC einen massiven Ausbau des Radwegenetzes fordern. Es geht dabei nicht unbedingt um neue Wegverbindungen, sondern eher um eine Anpassung der vorhandenen Radwege an das steigende Verkehrsaufkommen auf zwei Rädern. Es spricht einfach zu viel dafür, das Rad zu benutzen, um von A nach B zukommen: was für die Gesundheit tun, die Umwelt schonen, viel Sprit/Geld sparen – und letztlich ist man meist auch schneller, wenn man Staus weiträumig meiden kann.

Verkehrswende

Zeit für die Verkehrswende!

Wir als Grüne Fraktion in der Bezirksvertretung Südost haben daher aktuell beantragt, zwei Straßen im Südosten zu Fahrradstraßen umzuwidmen:

  • die Straßen Lindberghweg und Lütkenbecker Weg stellen die wichtigste Radverbindung zwischen Gremmendorf und den anderen Stadtteilen im Bezirk dar. Man könnte vom Heumannsweg an bis zum Hauptbahnhof / Bremer Platz abseits der großen Hauptverkehrsstraßen (Albersloher Weg und Wolbecker Straße) auf einer Fahrradstraße fahren, wenn dann noch die Schillerstraße zwischen Kanal und Hansaplatz einbezogen wird. Der Anfang der Schillerstraße war bekanntlich die erste Fahrradstraße Münsters.
  • der Brandhoveweg in Angelmodde vom Kreisverkehr / Twenhövenweg bis zum Sportzentrum ist eine von Schulkindern stark frequentierter Weg parallel zur Hauptstraße Am Angelkamp. Die Ausweisung als Fahrradstraße würde eine klarere Trennung der Verkehrsarten bringen und dadurch auch für mehr Sicherheit sorgen.

Das kann natürlich nur der Anfang sein. Wir denken über weitere Straßenzüge nach und sind offen für Vorschläge.

Klar ist, dass Fahrradstraßen nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Autoverkehr ist nach wie vor erlaubt, wenn auch nur bei max. Tempo 30. Die Zukunft wird zeigen, wie stark der Radverkehr zunimmt. Die Politik kann da nur unterstützend eingreifen und Rahmenbedingungen schaffen.

Die Bezirksvertretung hat übrigens beide Anträge einstimmig befürwortet!



Shared Space – ein Modell für Wolbeck? by osmunda
12. März 2010, 17:35
Filed under: Straßenverkehr, Verkehrspolitik, Wolbeck

Am 19.  Februar veranstaltete das Bürgerforum Wolbeck einen Informationsabend mit dem Thema „Möglichkeiten der Verkehrsregelung und  der Ortsgestaltung im Ortskern Wolbeck“ (s. WN-Artikel vom 21.2.). Als Gäste referierten Frau Sabine Buhr-Deichsel, Erste Gemeinderätin von Bohmte (Landkrs. Osnabrück), und Prof. Dr. Jürgen Gerlach, Verkehrsexperte der Bergischen Universität Wuppertal, zum Thema „Shared Space“ und die eventuellen Möglichketen der Anwendung dieses Prinzips in Wolbeck.

Während Frau Buhr-Deichsel durchaus euphorisch von der erfolgreichen Umsetzung des EU-Projekts „Shared Space“ in Bohmte berichtete, verbreitete Herr Gerlach einige Skepsis in Bezug auf die Brauchbarkeit für Wolbeck. Insbesondere die Engpässe im Wigbold (Münsterstr./Am Steintor) lassen eine ähnlich erfolgreiche Umsetzung wie in Bohmte utopisch erscheinen.

Doch was bedeutet shared space eigentlich? Ich zitiere Wikipedia:

Konzept des Shared Space

Leitidee

Überschilderung sorgt für eine übermäßige Bevormundung der Verkehrsteilnehmer.

Shared Space in Haren, Niederlande: Keine Verkehrszeichen, nivelliertes Straßenland und lediglich orientierende „Begrenzungen“ für die Verkehrsteilnehmer

Der Grundgedanke des Shared Space sieht vor, den öffentlichen Raum für den Menschen aufzuwerten. Das Konzept geht davon aus, dass der Verkehrsraum überreguliert ist, was sich etwa in Überschilderung ausdrückt[13][14] und teilweise nicht verkehrsinduziert, sondern rechtlich bedingt ist.[15] Statt einer dominanten Stellung des motorisierten Verkehrs soll der gesamte Verkehr mit dem sozialen Leben und der Kultur und Geschichte des Raums im Gleichgewicht stehen. Durch Entfernen der Kanalwirkung der Straßen sollen die Orte wieder Persönlichkeit erlangen. Verkehrsteilnehmer und Nutzungen sollen im Straßenland gleichwertig nebeneinander existieren und sich den Raum teilen. Zusätzlich zur Lebensqualität soll so auch die Sicherheit im öffentlichen Straßenraum verbessert werden.

Um diese Ziele zu erreichen, verzichtet Shared Space im Zuge einer Nivellierung auf Bordsteine und Abgrenzungen[16] und setzt stattdessen auf eine lediglich orientierende Unterteilung des Straßenraums. Des Weiteren sind im Zuge einer „Entregelung” der Verkehrslandschaft keinerlei Ampeln oder Verkehrs- und Hinweisschilder vorgesehen. Die Straßenverkehrsordnung wird reduziert auf deren oberste Maxime „Gegenseitige Rücksichtnahme” und das Rechts-vor-Links-Gebot. Mit diesen Maßnahmen wird eine gewollte Unsicherheit erzeugt, welche die Verkehrsteilnehmer dazu zwingt, den Raum situationsbedingt unter anderem durch Blickkontakt mit anderen Verkehrsteilnehmern einzuschätzen. Gleichzeitig wird die Existenz eines durch motorisierten Verkehr dominierten Verkehrsnetzes als notwendig erachtet.[17]

Das Konzept ist mit der Situation auf einer Eisbahn vergleichbar. Auf einer abgegrenzten, einheitlichen Fläche bewegen sich Eisläufer mehr oder weniger ohne Reglementierungen. Erfahrene, schnelle Läufer müssen sich mit unerfahrenen, langsamen Läufern arrangieren und ihre Fahrweise der Situation anpassen. Kollisionen sind selten, weil jeder auf sein eigenes Wohl bedacht ist und Situationen mittels Blickkontakt rechtzeitig einschätzen kann.[18]

Eine informative Einführung zu diesem Thema gibt es auch bei der Heinrich-Böll-Stiftung.

Prof. Gerlach ließ durchblicken, dass er wegen der räumlichen Enge eine weiträumige Einbahnstraßenregelung oder Ampelschaltung für vertretbare Lösungen hält. Wirklich optimal ist das natürlich alles nicht, aber Einbahnstraßen gehören schon seit langem zu den Vorschlägen der GRÜNEN, auch als Alternative zur  sog. Umgehungsstraße.

Trotz alledem hat das „Shared Space“-Konzept seinen Charme. Ob eine Lösung ohne Verkehrszeichen wie in Bohmte möglich und auch sinnvoll ist, ist für Laien kaum zu beurteilen. Wichtig und notwendig ist aber wohl ein weiteres wesentliches Element des „Shared Space“-Prozesses: durch eine umfassende Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger wird ein weitgehender Konsens hergestellt. Wenn es gelingt, eine Regelung zu finden, mit der alle möglichst gut leben können, wären wir der Lösung der Verkehsprobleme Wolbecks einen großen Schritt näher gekommen. Das wäre allerdings nach den Jahrzenten des Konflikts in Wolbeck ein mittelschweres Wunder!



VCD: Klimaschutz im Verkehr? Fehlanzeige in Münster! by osmunda
13. August 2009, 22:05
Filed under: Straßenverkehr, Umweltpolitik

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat eine informative Kampagne gestartet zum Thema Verkehrspolitik und Klimaschutz in der einstigen „Klimahauptstadt“ Münster:

Mehr als 20 Prozent trägt der Bereich Verkehr zu den CO2-Emissionen bei. Allein das ist schon ein Grund, entschieden den Klima schonenden „Umweltverbund“ Zu-Fuß-Gehen, Fahrrad, Bus und Bahn zu fördern.

Darüber hinaus beeinträchtigt der PKW-Verkehr besonders in den Städten die Lebensqualität durch Lärm, Abgase und Feinstaub-Emissionen. Wäre es sichtbarer Müll, würden viele Münsteraner an den verkehrsreichen Straßen bis zur Taille oder sogar bis zum Hals darin stecken.

Hinzu kommen die hohe Unfallträchtigkeit des motorisierten Individualverkehrs (MIV), sein Verbrauch an Flächen und Ressourcen, schließlich die Kosten, die von der Allgemeinheit getragen werden (müssen?), um das System am Laufen zu halten.

All das macht eine Wende in der Verkehrspolitik notwendig. Doch in Münster, das sich „Klimahauptstadt“ nennt, geschieht seit zehn Jahren nichts. Stattdessen fördert die aktuelle CDU/FDP-Ratsmehrheit die Auto-orientierten Verkehrskonzepte der 70er Jahre – zu Lasten des Klimas und der Bürger.

Was hier in Stichworten genannt ist, erfahren Sie im Detail (…)

…auf der Seite www.klimaschutz-fehlanzeige.de.

Zum Beispiel auch zu diesen Themen:

Überschrift Auch Ampelanlagen kommen in die Jahre und müssen erneuert werden. In Münster hat man „Nägel mit Köpfen“ machen wollen und eine „Grüne Welle“ auf den Hauptachsen angepeilt. Das Mittel dazu ist die „adaptive Netzsteuerung“ zuerst realisiert auf dem Albersloher Weg.

Nach den Messungen der Fachleute (Lehrstuhl für Verkehrswesen der Ruhr Universität Bochum) führte diese Modernisierung dazu, dass sich der „Performance Index“ um 29 Prozent * verbesserte.

Wäre damit das Ende der Geschichte erreicht, könnten auch Klimaschützer zufrieden sein. Doch leider wächst das Verkehrsaufkommen weiter – vor allem dann, wenn nicht entgegengesteuert wird. Was den Bürgern dann bevorsteht, zeigen zum Beispiel die Prognosen für die Autobahn 1 (+ 60 Prozent) und die Bundesstraße 51 zwischen Telgte und Münster (+ 100 Prozent). Dann sind die Fortschritte bald aufgezehrt, viele Steuermillionen ausgegeben und die Situation auf den Hauptverkehrstraßen noch belastender als heute.

Dass es nicht zwingend dazu kommen muss, beweist das Beispiel Radverkehr in Münster. Ein Radverkehrsanteil von gut einem Drittel an allen Wegen in der Stadt würde in anderen Städten für unmöglich gehalten. Eine „Verkehrswende“ – weniger Auto und mehr Umweltverbund – ist auch in Münster, der Stadt mit der höchsten Kfz-Dichte in NRW (siehe 683 auf 1.000) möglich.

Frage: Wie viele Psychologen braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln? Einen. Aber die Glühbirne muss den Wechsel wirklich wollen….

Inzwischen wurde zumindest auf dem Albersloher Weg eine Geschwindkeitsreduzierung auf Tempo 50 durchgesetzt – was im ungünstigsten Fall die Fahrzeit um 29 Sekunden verlängert. Die nachträglichen Kosten für die lange blockierte Maßnahme: 160.000 Euro.


* Im Detail betrachtet, ergibt sich allerdings ein deutlich anderes Bild (Quelle: Evaluierung der Grünen Wellen im Zuge der Modellachse Albersloher Weg in Münster mittels Reisezeitenmessung, Schlussbericht Januar 2009, Lehrstuhl für Verkehrswesen, Prof. Dr.-Ing. W. Brilon, Seiten 35 /36):
Berechnet man die „Reisezeit“ und die „Anzahl der Halte“ auf der Gesamtstrecke zwischen Hansaring und Osttor in Gremmendorf (Route 1), ergibt sich im Vergleich mit dem Ursprungszustand nur eine Verbesserung von 19,25 Prozent. In diesem Wert ist bereits der Effekt des vierspurigen Ausbaus des Albersloher Wegs enthalten.
Richtig fragwürdig wird das „Grüne Welle-Versprechen“ auf der sogenannten Route 2a (Hansaring bis zur Umgehungsstraße). Im Vergleich mit dem Ursprungszustand ergibt sich sogar eine Zunahme von „Reisezeit“ und „Zahl der Halte“ von 15,9 Prozent.

Überschrift Münster bleibt in NRW das Schlusslicht bei der Verkehrssicherheit. Hier ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, bei einem Verkehrsunfall verletzt oder getötet zu werden. Das liegt auch daran, dass in unserer Stadt viele „ungeschützte“ Verkehrsteilnehmer – zu Fuß und per Rad – unterwegs sind. Obwohl Fußgänger und Radfahrer nur an zehn Prozent aller Unfälle beteiligt sind, machen sie 60 Prozent der Verletzten und Getöteten aus (Quelle: WN vom 5.9.2008).

Eine Haftpflichtversicherung gibt es nicht für Fußgänger, Radfahrer oder Busfahrgäste, sondern für Kraftfahrzeuge – ein Beleg dafür, welches Verkehrsmittel die höchste Unfallhäufigkeit aufweist und bei Unfällen die größten Schäden verursacht.

Zur Kommunalwahl 1999 ging die CDU mit der Forderung nach Tempo 70 auf Wählerfang und sieht es – trotz dringender Appelle der Polizei wie auch des Sicherheitsgutachtens der Versicherungswirtschaft – bis heute nicht als erwiesen an, dass sie bei Tempo 70 in der Stadt auf Geisterfahrt ist.

Ein bisschen Physik für alle, die an Fakten interessiert sind: Bremst ein Auto aus Tempo 50, kommt es nach 28 Metern zum Stehen. Bei Tempo 70 ist es nach dieser Strecke noch 57 km/h schnell. Wer an den Ringen und den Einfallstraßen wohnt, kann es bestätigen: Höheres Tempo geht mit mehr Lärm einher. Und beim Beschleunigen auf ein höheres Tempo werden mehr Abgase erzeugt und mehr CO2 freigesetzt.



Entschärfung des Albersloher Weges – geht das? by osmunda
12. August 2009, 23:19
Filed under: Gremmendorf, Stadtplanung, Straßenverkehr

Der Albersloher Weg ist, wie in einem vorhergehenden Artikel beschrieben, Fluch und (zweifelhafter) Segen zugleich. Er ermöglicht eine schnelle Verbindung in die Innenstadt (zugegeben, auch für den ÖPNV), verhindert aber zugleich die Entstehung eines angemessenen Stadtteilzentrums in Gremmendorf. Und er wirkt wie eine trennende Asphaltschneise.

Diese Situation wird uns erhalten bleiben, solange sich das allgemeine Mobilitätsverhalten oder die räumlichen Gegebenheiten nicht ändern. Ersteres würde einen massenhafter Verzicht auf motorisierten Individualverkehr erfordern (bisher leider nicht in Sichtweite). Die zweite Möglichkeit könnte allerdings schon in einigen Jahren real werden: wenn die britischen Streitkräfte den Standort Gremmendorf aufgeben, kann das riesige Kasernengelände (mehr als 30 Hektar) für andere Zwecke genutzt werden.

Dadurch eröffnen sich bisher ungeahnte Entwicklungschancen für Gremmendorf:

  • Der Albersloher Weg könnte im Zentrum Gremmendorfs über das Kasernengelände verschwenkt werden. Über zwei Kreisverkehre kann er an den bestehenden Verlauf angebunden werden, einer an der Einmündung Gremmendorfer Weg, einer etwa zwischen Pauf-Engelhard-Weg und der Heidestraße. Das neue Stück dazwischen führt im Bogen über das jetzige Kasernengelände.
  • Dadurch wird die sog. Ortsfahrbahn an der Geschäftszeile zur Fußgängerzone werden. Auch das dann verkehrsberuhigte Stück vom Albersloher Weg (eine eigentlich sehr schöne Eichenallee!) kann zu einem echten „Dorfplatz“ werden.
  • Die vorhandenen Gebäude auf dem Kasernengelände können für viele nützliche Zwecke verwendet werden, wie z.B. bezahlbaren Wohnraum, Jugend- und Kulturzentrum, Senioren-WGs etc.
  • Raum für Autos (also Parkplätze) kann dort ebenfalls geschaffen werden, so dass die Besucher/innen des neuen Zentrums nicht alle zu Fuß kommen müssen…
entwurf-gremmendorf

Skizze für ein neues Stadtteilzentrum Gremmendorf

Wir stehen erst am Anfang der Überlegungen, wie wir uns die Zukunft Gremmendorfs, sagen wir im Jahr 2025, vorstellen und wünschen. Wir haben noch Zeit, aber gute Ideen müssen reifen!

Text + Skizze:    Reiner Borchert;  Stadtplan:  Stadt Münster



Der Albersloher Weg – Fluch oder Segen? by osmunda
11. August 2009, 23:09
Filed under: Angelmodde, Gremmendorf, Straßenverkehr

Eine breite Asphalt-Schneise zieht sich durch Gremmendorf und Angelmodde-West. Der Albersloher Weg ist ein Segen für alle, die möglichst schnell diese Stadtteile verlassen oder sie durchqueren wollen, motorisiert versteht sich.

Albersloher Weg Höhe Gremmendorfer Weg

Albersloher Weg - Einmündung des Gremmendorfer Wegs

Für die Anwohner/innen wie auch für Menschen, die sich aus eigener Kraft fortbewegen möchten, ist er dagegen ein Verkehrshindernis ersten Ranges. Der angeblich „intelligente“ neue Verkehrsrechner optimiert die Ampelphasen so, dass der Autoverkehr möglichst optimal (d.h. schnell und unterbrechungsarm) funktioniert. Das Nachsehen haben Fußgänger/innen und Radfahrer/innen, die doch ab und an die Schneisenseite wechseln wollen oder müssen.

Der Albersloher Weg hat also etwas sehr Trennendes an sich. Viele Bewohner/innen von Gremmendorf-Ost, wissen gar nicht, dass auch auf der anderen Seite Leute wohnen. (Kölner würden von der „schäl Sick“ sprechen…)

Das Zentrum Gremmendorfs (wenn man davon überhaupt sprechen kann) quetscht sich an der Ostseite entlang einer sog. „Ortsfahrbahn“ in Form einer Geschäftszeile. Diese schmale Seitenfahrbahn teilen sich parkende und fahrende Autos  sowie ein paar mutige Radfahrer/innen (Parksuchverkehr – ein Horror für nachfolgende Radler/innen!).

Albersloherweg - Gremmendorfer Ortsfahrbahn

Auf der Ortsfahrbahn herrscht ein reges Kommen und Gehen...

Dass dieses Ortszentrum ziemlich unattraktiv ist, spüren die Geschäftsleute seit langem. Viele haben ihr Geschäft inzwischen aufgegeben; es gibt oft und lange Leerstand.

Die miserable Lage für den Einzelhandel hat natürlich viele Ursachen; eine davon ist sicher aber auch die räumliche Lage dieses Zentrums direkt an einer vielbefahrenen, vierspurigen „Stadtautobahn“. Man ist halt schnell „in der Stadt“ zum Einkaufen. An dieser Situation ändert auch der von der CDU in der Bezirksvertretung durchgeboxte und von ihr so genannte Dorfplatz nichts – er wirkt gleichzeitig rührend hilf- und nutzlos. Das Geld hätte man sich sparen können…

Der von der CDU entworfene Gremmendorfer Dorfplatz lädt immer zum Verweilen ein! Jedenfalls findet man hier immer ein Plätzchen zum Ausruhen...

Der von der CDU entworfene Gremmendorfer Dorfplatz lädt zum Verweilen ein! Jedenfalls findet man hier immer ein Plätzchen zum Ausruhen...

Aber wie kann die Situation nachhaltig verbessert werden? Wie kann man den Albersloher Weg entschärfen? Ein erster und sicher notwendiger Schnitt war die Reduzierung des Tempos von 70 auf 50 km/h. Diese Maßnahme hat die Grüne Fraktion in der Bezirksvertretung bereits im Frühjahr 2008 gefordert. Die einhellige Ablehnung zog sich durch die Mehrheitsfraktionen (CDU/FDP) und die Verwaltung. Erst nachdem ein Verkehrsgutachten eine vernichtende Bilanz für die Verkehrsverhältnisse in Münster zog, begann zumindest bei der Verwaltung ein Umdenkungsprozess. Bei der CDU ist das Umdenken noch nicht so richtig angekommen, sie beugte sich nur mit „Bauchschmerzen“ den Fakten. Nach über einem Jahr wurden schließlich im Juli 2009 die Schilder ausgewechselt.

Aber diese Maßnahme kann nur der Anfang sein. Der Abzug der britschen Streitkäfte eröffnet uns große Chancen, den Knoten für Gremmendorf endlich zu durchschlagen. Dazu demnächst mehr in diesem Blog…

Text + Fotos:    Reiner Borchert